Behinderungen und Barrierefreiheit

Um Veränderungsprozesse für eine inklusive Gesundheitsversorgung anzustoßen und den Abbau der vielfältigen Zugangsbarrieren zur Gesundheitsversorgung und der Schnittstellenprobleme zwischen verschiedenen Versorgungsbereichen zu unterstützen, wurden Menschen mit Behinderungen als Zielgruppe des Kompetenzzentrums aufgenommen. Wichtig ist hierbei die Vielfalt der Lebenssituationen von Menschen, die in Einrichtungen leben oder die Gewalterfahrungen erlitten haben. Ziel ist weniger die Besetzung neuer Forschungsfelder oder die Entwicklung von Maßnahmen sondern die Unterstützung der bestehenden Strukturen und Praktiker_ innen und die Entwicklung zielgruppenspezifischer, praxisnaher Handlungsempfehlungen und Arbeitshilfen für Versorgungspersonal und Gesundheitspolitik.
In der gesundheitlichen Versorgung bestehen zudem zahlreiche bauliche und kommunikative Barrieren. Hinzu kommen fehlende zeitliche Ressourcen und unzureichende Qualifikationen des medizinischen Personals. Auch mangelnde Sensibilisierung und geringe Erfahrung im Umgang mit Patient_innen mit Behinderungen stehen einem vorurteilsfreien Umgang im Wege.

Im Themengebiet psychische Gesundheit werden die Hürden für eine bedarfsorientierte psychologische Versorgung von Frauen und Männern mit verschiedenen Behinderungen in den Blick genommen. Für Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen wurde ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen, u.a. als Folge von Traumatisierungen festgestellt. Außerdem sind sie durch vielfältige Abhängigkeiten in verschiedenen Altersphasen und Lebenssituationen besonders von psychischer, physischer und sexueller Gewalt, Diskriminierung sowie Gewalterfahrungen betroffen.

Die gesundheitliche Versorgung bei Frauen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen ist ein relativ unbekanntes Feld. Versorgungsbedarf besteht hier z.B. beim niedrigschwelligen Zugang zu Aufklärung und Verhütungsmitteln. In der ambulanten gynäkologischen Versorgung bestehen weitere bauliche und strukturelle Barrieren. Diesem Thema widmet sich das Faktenblatt „Behandlungsdefizite, Barrieren, Bedarfe – Die gynäkologische Versorgung von Frauen mit Behinderungen in Deutschland mit besonderem Fokus auf NRW“.

In enger Kooperation mit dem Netzwerkbüro Frauen und Mädchen mit Behinderung/chronischer Erkrankung NRW arbeitet das Kompetenzzentrum Bedarfe und Handlungsmöglichkeiten, die die Situation (gewaltbetroffener) Frauen in Einrichtungen der Behindertenhilfe betreffen, heraus.

Expert_innengespräche und Fachveranstaltungen sollen eine breite Fachöffentlichkeit sensibilisieren und motivieren sich in ihren Einrichtungen und Institutionen für eine verbesserte gesundheitliche Versorgung von (gewaltbetroffenen) Menschen mit Behinderung einzusetzen. Hierzu gehört auch die Unterstützung für eine flächendeckende Implementierung von Gleichstellungsbeauftragten in Werkstätten und Wohneinrichtungen der Behindertenhilfe, die im neuen Teilhabegesetz verbindlich vorgeschrieben ist.