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Psychische Gesundheit: Ein zentrales Thema für Frauen – Resümee zur 2. Frauengesundheitskonferenz 2016

Sie will alles haben und soll alles sein, die moderne Frau von heute: erfolgreiche Karrierefrau, liebevolle Mutter, attraktive Partnerin und verlässliche Stütze für die Eltern. Der Trend zur Selbstoptimierung unter Frauen ist weit verbreitet und kann enormen psychischen Druck erzeugen. Bei vielen Frauen bleibt das seelische Wohlbefinden zwischen all diese Ansprüche auf der Strecke und fordert ihren Tribut: 13 Prozent der Frauen in Deutschland fühlen sich nach eigenen Angaben seelisch belastet. 10 Prozent der Frauen berichten sogar, dass bei ihnen in den letzten 12 Monaten eine Depression oder depressive Verstimmung bestand, die ärztlich diagnostiziert wurde.

Angesichts dieser Zahlen war es der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) ein besonderes Anliegen die 2. Frauengesundheitskonferenz am 19. April in Köln dem Thema „Psychische Gesundheit von Frauen“ zu widmen. Die Veranstaltung stieß auf ein gewaltiges Interesse. Mehr als 250 Expertinnen und Experten folgten der Einladung – auch dank der Unterstützung durch das Nationale Netzwerk Frauen und Gesundheit.

In wissenschaftlichen Vorträgen erfuhren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aktuelle Erkenntnisse zu Ursachen, Häufigkeit und Behandlungsmöglichkeiten psychischer Erkrankungen bei Frauen. Im Fachgespräch und in den Diskussionsrunden kamen sich Forschung und Praxis näher. Besucherinnen und Besucher konnten zahlreiche Anregungen für Ihre Arbeit gewinnen.

Die durchweg positiven Rückmeldungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sprechen für eine überaus erfolgreiche Konferenz. Darüber freuen wir uns sehr und möchten allen Mitwirkenden unseren Dank aussprechen, die mit ihrer fachlichen Unterstützung zu diesem Erfolg beigetragen haben. Sie wollen noch einmal Revue passieren lassen, sind an einzelnen Vorträgen interessiert oder konnten nicht an der Konferenz teilnehmen? Auf der Website des Frauengesundheitsportals stehen zahlreiche Konferenzmaterialien zur Verfügung. Fotos und Graphic Recordings vermitteln lebendige Eindrücke von der Veranstaltung. Abstracts und Vorträge stehen zum Download bereit. Interessierte können sich auch Vorträge, Diskussionen und Abschlussergebnisse mittels Audioaufnahmen anhören. Die psychische Gesundheit von Frauen wird für die BZgA auch weiterhin ein entscheidendes Thema bleiben. Auf www.frauengesundheitsportal.de finden Frauen – und auch Männer –  wichtige und qualitätsgesicherte Informationen zu psychischen Erkrankungen, praktische Hinweise zur Stressbewältigung und eine Auswahl an verlässlichen Organisationen und Unterstützungsangeboten.

Fachgespräch „Psychische Versorgung von Frauen mit Zuwanderungsgeschichte in NRW“

Die „Psychische Versorgung von Frauen mit Zuwanderungsgeschichte in NRW“ stand am 09.04.2014 im Zentrum eines Fachgesprächs, zu dem das Kompetenzzentrum Frauen und Gesundheit NRW eingeladen hatte.

Im Kreise von Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis sowie der Ärztekammer Nordrhein und des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen (MGEPA) wurde die gesundheitliche Versorgungssituation von Frauen mit Zuwanderungsgeschichte in NRW diskutiert.
Zahlreiche Studien haben in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass Frauen und Männer mit Migrationshintergrund besonderen psychischen Belastungen (z.B. Sprachbarrieren, kulturelle Tabus, Diskriminierung, soziale Lage) ausgesetzt sind. Kulturelle Unterschiede im Vergleich zur deutschen Bevölkerung spiegeln sich dabei nicht nur in den Ursachen für psychische Erkrankungen wider, sondern auch in Unterschieden, die die Symptomatik sowie das Gesundheits- und Krankheitsverständnis betreffen. Gerade Frauen mit Zuwanderungsgeschichte müssen auf der Suche nach Unterstützung und gesundheitlicher Versorgung häufig erhebliche sprachliche und kulturelle Hürden überwinden.
Wie wichtig in dieser Situation geschlechterdifferenzierte, transkulturelle Angebote sowohl im Bereich der Gesundheitsvorsorge als auch im psychosozialen-therapeutischen Sektor sind, konnte im Rahmen des Fachgesprächs eindrücklich gezeigt werden. Einführende Referate zu aktuellen Problemlagen und zentralen Handlungsfeldern in der gesundheitsbezogenen praktischen Arbeit mit Migrantinnen wurden ergänzt und erweitert durch die Betrachtung spezieller Fragestellungen, die sich mit Blick auf die Zielgruppe an die Forschung stellen. Bemängelt wurde vor den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Fachgesprächs, dass sich bislang vorwiegend gemeinnützige Organisationen der psychosozialen und psychiatrischen Versorgung von Zugewanderten widmen würden sowie kleinere drittmittelgeförderte und damit zeitlich begrenzt laufende Projekte. Kontinuität in der Finanzierung von lokalen Initiativen und Einrichtungen wurde daher als wichtiger Baustein zur Verbesserung der Versorgungssituation von Migrantinnen und Migranten mit psychischen Erkrankungen bewertet. Entsprechende Angebote sollten sich an den besonderen Belastungen, Bedarfen, aber auch an den durchaus vorhandenen (kulturell geprägten) Gesundheitsressourcen (z.B. familiales Netzwerk) der Zielgruppe orientieren, möglichst niedrigschwellig und vor allem wohnortnah ausgerichtet sein, um Zugangsbarrieren zu reduzieren. Eine weitere wichtige Aufgabe ist darin zu sehen, Akteurinnen und Akteure im Gesundheitswesen (z.B. in Beratungsstellen, Familienzentren, im betrieblichen Gesundheitsmanagement, in ambulanten Praxen für Psychotherapie) für Migrantinnen und Migranten, deren besondere Lebenslage sowie die kulturellen Unterschieden in gesundheitlichen Gepflogenheiten zu sensibilisieren.

Einigkeit bestand unter den Diskutantinnen und Diskutanten darin, dass eine optimierte psychiatrisch-psychologische Versorgung nicht ohne Einsatz von DolmetscherInnen und KulturmittlerInnen zu realisieren ist, da gerade Sprache und sprachliche Verständigung zentrale Grundlagen für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und eine bedarfsgerechte Versorgung sind. Deren Einsatz sollte über die Regelversorgung finanziert werden und keine zusätzliche finanzielle Belastung für die jeweilige Einrichtung/Stelle bedeuten.

Dank der regen Beteiligung und des hohen Engagements der Teilnehmenden an der gemeinsamen Diskussion, konnten im Zuge des Fachgesprächs wichtige Aspekte skizziert werden, die für die weitere Arbeit an der Thematik richtungsweisend sind. Themenfokussierte Fachgespräche sollen daher künftig im Rahmen des Kompetenzzentrums als wichtige Plattform für einen langfristig angelegten Austausch zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis genutzt werden, um gemeinsam Maßnahmen zur Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung in NRW zu erarbeiten.

In diesem Sinne danken wir allen Teilnehmenden ausdrücklich für die gelungene Auftaktveranstaltung und freuen uns auf einen weiteren konstruktiven Austausch.

Auftakt des Kompetenzzentrums Frauen und Gesundheit NRW

Titel: „1. Fachforum – Betrifft Frauengesundheit“

Mit den Themenschwerpunkten geburtshilflicheVersorgung, psychische Gesundheit und Intervention bei Gewalt hat sich das neue „Kompetenzzentrum Frauen und Gesundheit NRW“ am Mittwoch, dem 6. März, in Dortmund der (Fach-) Öffentlichkeit vorgestellt. Unter dem Titel „Betrifft Frauengesundheit“ trafen sich Akteure aus den vielfältigen Bereichen der gesundheitlichen Versorgung. Sie diskutierten, wie es derzeit um die rauengesundheit in NRW steht und wo es zukünftig hingehen soll. Die Landesministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter Barbara Steffens hat die Tagung mit klaren Zielvorstellungen eröffnet.

Barbara Steffens betonte: „Die vorhandenen Erkenntnisse zur Gesundheit von Frauen sind noch nicht durchgängig in der medizinischen Praxis angekommen. So ist das Versorgungssystem unter anderem für die Folgen von häuslicher und sexualisierter Gewalt immer noch nicht ausreichend sensibilisiert. Und nach wie vor haben Frauen beispielsweise ein höheres Sterberisiko beim Herzinfarkt als Männer, weil sie andere Symptome zeigen und es deshalb eher zu Fehldiagnosen kommt. Gleichzeitig haben wir viele blinde Flecken in der geschlechterdifferenzierten medizinischen Forschung, Diagnostik und Therapie. Mit dem Kompetenzzentrum Frauen und Gesundheit wird die gesundheitliche Versorgung von Frauen in Nordrhein-Westfalen wieder stärker als bisher in den Fokus gerückt.“

Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, und Dr. Wolfgang-Axel Dryden, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, unterstützen die Ziele der Ministerin. So sieht Windhorst viele gemeinsame Ansatzpunkte für die Ärzteschaft in Westfalen-Lippe und das Kompetenzzentrum Frauen und Gesundheit NRW. Besonders wichtig sei es, das gemeinsame Ziel genau im Blick zu haben. Er plädiert für eine geschlechtersensible Medizin: „Die Offenheit miteinander umzugehen, die interdisziplinäre Zusammenarbeit muss das Ziel sein.“ Dryden verweist auf die Bedeutung von Frauen im Gesundheitssystem: „Es ist etwas anderes als Hausarzt, ob mir ein Mann Symptome schildert oder eine Frau.“ Deshalb wollen Windhorst und Dryden das Kompetenzzentrum unterstützen.

In den Workshops des Fachforums berichteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Erfahrungen und Problemen in der geburtshilflichen und psychischen Versorgung sowie zu Interventionsmöglichkeiten bei Gewalt. Gemeinsam haben sie Lösungsmöglichkeiten erarbeitet und Verbesserungswünsche formuliert.

Die Leiterinnen des Kompetenzzentrums, Professorin Dr. Claudia Hornberg von der Fakultät für Gesundheitswissenschaften und dem Interdisziplinären Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung der Universität Bielefeld sowie Marion Steffens vom GESINE Netzwerk in Schwelm gaben einen Einblick in die laufende Arbeit des Kompetenzzentrums: „Als wichtigste Aufgabe wird das Zentrum die praktische Arbeit von zum Beispiel Ärztinnen und Ärzten, Hebammen und Frauenberatungsstellen sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verknüpfen.“

Das Kompetenzzentrum wird vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

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