Dokumentation zur Fachveranstaltung PROJEKTSPOTS zum THEMA: JUNG, VERLIEBT, (UN)GLÜCKLICH?!!

Herausforderungen in Peer- und Paarbeziehungen Heranwachsender

Am 16. Januar 2019 in Bochum Aesculap Akademie

Die Filme wurden Ende 2018 im Auftrag des KFG vom Medienprojekt Wuppertal im Rahmen interaktiver Schulworkshops produziert (gefördert durch MAGS NRW). Die Schülerinnen und Schüler waren frei in der filmischen Umsetzung des Themas „sexualisierte Gewalt“ und entwickelten einen Film aus Jungen- und einen Film aus Mädchenperspektive. Beide Filme erhielten sehr positive Rückmeldungen durch die Teilnehmenden Das Fachpublikum stufte die Filme als sehr gute Arbeitsmaterialien zum Thema ein.

  • Vortrag Cäcilia Nürnberger/Marion Steffens, Kompetenzzentrum Frauen & Gesundheit NRW:

„Zwischen hacken und beichten…. Beziehungsstress in Digitalia“ als PDF

  • Vortrag Prof. Dr. med. Harald Stumpe, Institut für Sexualwissenschaft Hochschule Merseburg:

„Sexuelle Gesundheit und Jugend – Herausforderungen an die Akteur_innen der medizinischen Versorgung“ als PDF

  • Vortrag Gabriel Kohnke, Dissens – Institut für Bildung und Forschung e.V., Berlin (Herr Kohnke war leider erkrankt, stellte seinen Vortrag aber zur Verfügung. Marion Steffens präsentierte zentrale Inhalte daraus mit Verweis auf die Urheberschaft im Rahmen ihres Vortrags.).

Geschlechterreflektiertes Empowerment als Gewaltprävention: Das Projekt Equi-X als PDF

  • Ergebnisse der Interaktiven Ideenwerkstatt

Im Rahmen einer moderierten Kleingruppenarbeit diskutierten die Teilnehmenden folgende Fragestellungen:

Was kann junge Menschen davor schützen, ihre Gesundheit und ihr Glück durch gewaltförmige Beziehungen zu gefährden?

Wie kann die sexuelle und emotionale Gesundheit Heranwachsender gefördert werden?

Ziel der Gruppenarbeit war ein Brainstorming zu möglichen Strategien zur Förderung gesunder Beziehungen im Jugendalter. Die Ergebnisse des Brainstorming wurde in einem zweiten Schritt gewichtet. Diese Methode wurde aus verschiedenen Erwägungen durchgeführt:

  • Sie ermöglicht eine erste Bedarfsorientierung im Feld
  • Sie eignet sich zur Beteiligung eines interdisziplinär zusammengesetzten Fachpublikums
  • Sie fördert fokussierte Diskussion.
  • Durch die Gewichtung werden erste institutionsübergreifende Tendenzen sichtbar.
  • Die erste Gewichtung gibt Hinweise für die Weiterentwicklung eines Themas. Zugleich geht keine Idee verloren, die ihre strategische Kraft möglicherweise erst im Verlaufe der Entwicklung eines Themas zeigt.

Priorisiert wurden folgende Strategievorschläge:

Verbindliche Verankerung des Themas Beziehungen und deren Herausforderungen in Schule und Bildung, damit es kontinuierlich präsent ist. Ein Ziel dabei wäre die Entwicklung einer unterstützenden sexuellen Kultur. Als Voraussetzung wurde ein genuines Interesse an der Jugend und ihren Belangen benannt.

Strategien zur Verbesserung der Kommunikation zwischen Erwachsenen und Jugendlichen. Ziel ist das ernst nehmen jugendlicher Belange und die Wertschätzung gegenüber dem oder der Einzelnen. Um auf eine vorhandene Belastung von Kindern oder Jugendlichen einzugehen, sei ein Wechsel von einer funktionalen Betrachtungs- und Sprechweise zu mehr emotionaler Kommunikation nötig. Kinder sind häufig wirklich in Not! Es geht darum, Beziehung(en) mitzugestalten.

Die Themen Gefühle und Sexualität in Paarbeziehungen müssten in stärkerem Maße an- und besprochen werden. Gleiches gilt für die Bedeutung von Beziehung und Partnerschaft. Dafür muss es Raum und Zeit im Schulalltag geben.

Der Austausch zwischen Jugendlichen sollte gefördert und begleitet werden und für Konfliktfälle wären Peer-to-Peer-Streitschlichtungsgruppen einzurichten.

Bezüglich eines (homosexuellen) Coming Outs wurde die Frage gestellt, ob dieses notwendig ist. Fachkräfte, die mit Jugendlichen arbeiten, sollten sich bewusst sein, dass sie Rollen(vor)bilder sind und diese Rolle bewusst ausfüllen. Wichtig sei, in Bezug auf Gewalt IMMER Stellung zu beziehen, Werte positiver und wertschätzender Kommunikation zu vermitteln und Vorbild zu sein.

Eine Diskussion der Frage: Wie können männliche Vorbilder wirken ohne Geschlechtsrollenstereotype zu reproduzieren. Eine konstruktive Auseinandersetzung mit kulturell verankerten, traditionellen Haltungen in Schule und Jugendarbeit sei notwendig.

Jugendliche müssten in der Herausbildung ihrer Urteilsfähigkeit gestärkt werden. Hierzu müssen Erwachsene Geländer bieten und ggf. klare Grenzen setzen und einhalten.

Warnsignale für Gewalt sollten bekannt sein und erkannt werden (hierzu ist ggf. spezialisierte Fortbildung notwendig. Es sollten Fachleute zum Thema Sexualität geschlechtsbezogene Gewalt ausgebildet werden.
Angebote der Täterarbeit sollten besser bekannt gemacht werden.
Die Frage nach einer möglichen Gewaltbelastung in Familie, Schule und sozialem Umfeld sollte Standard in der medizinischen Versorgung werden.

Gute Medienangebote zum Thema Gewalt in jungen Beziehungen müssen entwickelt werden. Durch diese ist eine selbständige Aneignung von Wissen möglich. Ein solches Angebot könnte z.B. eine Broschüre, ein Film o.ä. mit dem Titel „Welcome Pubertät“ sein. Information zum Thema muss Jugendliche und MultiplikatorInnen erreichen. Ähnlich wie in den präsentierten Filmen müssten digitale (und analoge) Medien so gestaltet sein, dass sie Jugendliche wirklich erreichen. Partizipation ist dabei eine wichtige Voraussetzung. Ebenso die Zusammenarbeit in zielführenden Netzwerken.

Für alle Konzepte, Angebote und Projekte sind mehr personelle und finanzielle Ressourcen notwendig.

Fazit der Veranstaltung
Mit der Veranstaltung wurde ein produktiver Einstieg in ein wichtiges und in NRW bisher kaum beleuchtetes Thema gefunden. Die Teilnehmenden nahmen konkrete Impulse für ihre Arbeit mit und äußerten starkes Interesse an einer weiteren Vernetzung durch das KFG.

Das Programm finden Sie hier (PDF)