Fachgespräch „Psychische Versorgung von Frauen mit Zuwanderungsgeschichte in NRW“

Die „Psychische Versorgung von Frauen mit Zuwanderungsgeschichte in NRW“ stand am 09.04.2014 im Zentrum eines Fachgesprächs, zu dem das Kompetenzzentrum Frauen und Gesundheit NRW eingeladen hatte.

Im Kreise von Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis sowie der Ärztekammer Nordrhein und des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen (MGEPA) wurde die gesundheitliche Versorgungssituation von Frauen mit Zuwanderungsgeschichte in NRW diskutiert.
Zahlreiche Studien haben in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass Frauen und Männer mit Migrationshintergrund besonderen psychischen Belastungen (z.B. Sprachbarrieren, kulturelle Tabus, Diskriminierung, soziale Lage) ausgesetzt sind. Kulturelle Unterschiede im Vergleich zur deutschen Bevölkerung spiegeln sich dabei nicht nur in den Ursachen für psychische Erkrankungen wider, sondern auch in Unterschieden, die die Symptomatik sowie das Gesundheits- und Krankheitsverständnis betreffen. Gerade Frauen mit Zuwanderungsgeschichte müssen auf der Suche nach Unterstützung und gesundheitlicher Versorgung häufig erhebliche sprachliche und kulturelle Hürden überwinden.
Wie wichtig in dieser Situation geschlechterdifferenzierte, transkulturelle Angebote sowohl im Bereich der Gesundheitsvorsorge als auch im psychosozialen-therapeutischen Sektor sind, konnte im Rahmen des Fachgesprächs eindrücklich gezeigt werden. Einführende Referate zu aktuellen Problemlagen und zentralen Handlungsfeldern in der gesundheitsbezogenen praktischen Arbeit mit Migrantinnen wurden ergänzt und erweitert durch die Betrachtung spezieller Fragestellungen, die sich mit Blick auf die Zielgruppe an die Forschung stellen. Bemängelt wurde vor den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Fachgesprächs, dass sich bislang vorwiegend gemeinnützige Organisationen der psychosozialen und psychiatrischen Versorgung von Zugewanderten widmen würden sowie kleinere drittmittelgeförderte und damit zeitlich begrenzt laufende Projekte. Kontinuität in der Finanzierung von lokalen Initiativen und Einrichtungen wurde daher als wichtiger Baustein zur Verbesserung der Versorgungssituation von Migrantinnen und Migranten mit psychischen Erkrankungen bewertet. Entsprechende Angebote sollten sich an den besonderen Belastungen, Bedarfen, aber auch an den durchaus vorhandenen (kulturell geprägten) Gesundheitsressourcen (z.B. familiales Netzwerk) der Zielgruppe orientieren, möglichst niedrigschwellig und vor allem wohnortnah ausgerichtet sein, um Zugangsbarrieren zu reduzieren. Eine weitere wichtige Aufgabe ist darin zu sehen, Akteurinnen und Akteure im Gesundheitswesen (z.B. in Beratungsstellen, Familienzentren, im betrieblichen Gesundheitsmanagement, in ambulanten Praxen für Psychotherapie) für Migrantinnen und Migranten, deren besondere Lebenslage sowie die kulturellen Unterschieden in gesundheitlichen Gepflogenheiten zu sensibilisieren.

Einigkeit bestand unter den Diskutantinnen und Diskutanten darin, dass eine optimierte psychiatrisch-psychologische Versorgung nicht ohne Einsatz von DolmetscherInnen und KulturmittlerInnen zu realisieren ist, da gerade Sprache und sprachliche Verständigung zentrale Grundlagen für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und eine bedarfsgerechte Versorgung sind. Deren Einsatz sollte über die Regelversorgung finanziert werden und keine zusätzliche finanzielle Belastung für die jeweilige Einrichtung/Stelle bedeuten.

Dank der regen Beteiligung und des hohen Engagements der Teilnehmenden an der gemeinsamen Diskussion, konnten im Zuge des Fachgesprächs wichtige Aspekte skizziert werden, die für die weitere Arbeit an der Thematik richtungsweisend sind. Themenfokussierte Fachgespräche sollen daher künftig im Rahmen des Kompetenzzentrums als wichtige Plattform für einen langfristig angelegten Austausch zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis genutzt werden, um gemeinsam Maßnahmen zur Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung in NRW zu erarbeiten.

In diesem Sinne danken wir allen Teilnehmenden ausdrücklich für die gelungene Auftaktveranstaltung und freuen uns auf einen weiteren konstruktiven Austausch.

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