Implementierung eines multidisziplinären und vernetzten Vorgehens zur medizinischen Intervention bei Häuslicher Gewalt

Die praxisorientierten Maßnahmen des Kompetenzzentrums Frauen und Gesundheit NRW sollen die gesundheitliche Versorgung von Frauen in NRW verbessern, bestehende Konzepte optimieren und Ergebnisse aus der Forschung in die Praxis transferieren. Dies entspricht den drei Säulen des Kompetenzzentrums: Wissensbildung, Praxis(weiter)entwicklung und Netzwerkarbeit.
Im Sinne eines partizipativen Forschungsansatzes sollen die Erkenntnisse und Bedarfe aus den Praxisfeldern in den wissenschaftlichen Bezugsrahmen rückfließen. Im Themenfeld Gewalt wird hierzu das bereits bestehende GESINE-Interventionskonzept Gewinn Gesundheit® weitergeführt und in fünf ausgewählten neuen Regionen in NRW etabliert. Die Implementierung des Interventionskonzeptes beinhaltet

  • die Akquise der geeigneten Regionen
  • die Qualifizierung regionaler KoordinatorInnen
  • die Entwicklung eines an die regionalen Bedingungen angepassten Konzeptes zur multiprofessionellen Kooperation
  • die Qualifizierung der ausgewählten Gesundheitsberufe
  • die Implementierung medizinischer Interventionsprogramme inklusive der notwendigen Befragungsroutinen und
  • die Verankerung einer verlässlichen Verweisungspraxis.

Zur Auswahl der Regionen:

Die Erfahrungen des MIGG Projektes in fünf Regionen Deutschlands weisen darauf hin, dass die Wirksamkeit der Bemühungen die gesundheitliche Versorgung gewaltbelasteter Frauen zu verbessern wesentlich davon abhängt, ob es gelingt eine nachhaltige Koordinierung der regionalen Aktivitäten in diesem Feld zu erreichen. Die Auswertung des MIGG Projekt zeigt deutlich, dass eine dauerhafte Implementierung eines verlässlichen und verbindlichen Verfahrens zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung bei Häuslicher Gewalt nur gelingen kann, wenn eine Einrichtung oder Organisation die regionale Koordination des zu gründenden Netzwerkes verlässlich übernimmt.
Rückmeldungen aus einer GESINE-Ärztebefragung legen außerdem den Schluss nahe, dass diese Koordinierungsaufgabe von Organisationen übernommen werden sollte, die einen Schwerpunkt ihrer Arbeit im Bereich Gewalt haben (wie die Fraueninfrastruktur gegen häusliche Gewalt, aber auch rechtsmedizinische Institute – wie u.a. das Beispiel Düsseldorf zeigt).
Als wichtige Voraussetzung zur Etablierung eines interdisziplinären Vorgehens in der medizinischen Intervention gilt das Vorhandensein einer multiprofessionellen Vernetzung zu Häuslicher Gewalt, wie ein Runder Tisch Häusliche Gewalt, ein Präventionsrat mit Schwerpunkt Häusliche Gewalt o.ä. Hier können Absprachen und Vorgehensweisen verbindlich getroffen und vereinbart werden. Es zeigte sich jedoch an allen Modell-Standorten des MIGG-Projektes, dass die Zielgruppe der niedergelassene Ärzte/innen über die Runden Tische nicht erreicht wird. Dies konnte erst durch die Etablierung einer zielgruppenadäquaten Vernetzungsstruktur mit Ärztekonferenzen, inkl. fachspezifischer Fortbildung geändert werden. In einer solchen, primär gesundheitsbezogenen Vernetzung zur Versorgung bei Häuslicher Gewalt kann den Bedürfnissen der Gesundheitsanbieter nach Austausch und Kooperation, nach Fallbesprechungen und fachspezifischer Qualifizierung im Themenfeld Häuslicher Gewalt am ehesten entsprochen werden. Verbindliche Absprachen, die das regionale Versorgungsangebot optimieren (z.B. Weitervermittlungspraxis, Transparenz der vorhandenen und Entwicklung neuer Versorgungsangebote), werden in dem Gesundheitsnetzwerk verabredet und in ihrer Wirksamkeit überprüft. Die Ergebnisse des Gesundheitsnetzwerkes werden an den vorhandenen Runden Tisch kommuniziert und vice versa. Das GESINE Netzwerk erwies sich als nachhaltig wirksames Modell für ein regionales, vernetztes Vorgehen.
Der Gewinn für die Gesundheitsversorgung gewaltbetroffener Frauen hängt unter anderem davon ab, dass vielfältige Zugänge in die Vernetzung einbezogen werden. So ist ein traumainformiertes Vorgehen nicht nur in der ambulanten ärztlichen Praxis, sondern auch in Kliniken, in Einrichtungen der Psychiatrie und in allen weiteren Einrichtungen des Gesundheitswesens sinnvoll, um die Chancen medizinischer Interventionen nutzen zu können.
Niedergelassene ÄrztInnen zählen zur zentralen Zielgruppe des regionalen Implementierungsvorhabens. Weitere einzubeziehende Gesundheitsanbieter sind u.a. Kliniken oder einzelne Krankenhausstationen, PhysiotherapeutInnen, Hebammen, psychiatrische Einrichtungen etc.

Was bietet das Kompetenzzentrum Frauen und Gesundheit NRW interessierten Regionen?

  • Qualifizierung von Regionalkoordinatorinnen (Train the Coordinator/TTC)
  • Qualifizierung regionaler Fortbildnerinnen (Train the Trainer/TTT)
  • Qualifizierte Materialien für den Gesundheitsbereich und Patientinnen
  • Prozessbegleitung: Implementierung eines Vernetzungs- und Interventionskonzeptes zur gesundheitlichen Versorgung gewaltbetroffener Frauen
  • Referentinnentätigkeit
  • Fachberatung der Regionen
  • Evaluation der Implementierung

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