Februar 2019: Pressemitteilung des Kompetenzzentrums Frauen & Gesundheit NRW zu Gewalt in jugendlichen Beziehungen = TeenDatingViolence.

Gar nicht Cool: Gewalt in jungen Beziehungen

Eigentlich stimmte alles: Vanessa K. (18 Jahre) war verliebt und glücklich. Doch dann wurde alles anders. Ein Schwangerschaftstest bestätigte eine von ihr ungewollte Schwangerschaft. Sie wollte studieren, sicherlich auch Kinder bekommen, aber doch später! Ihr Freund wollte die Schwangerschaft und hatte absichtlich und unbemerkt das Kondom abgestreift. Nun setzt er sie massiv unter Druck: Falls sie sich gegen das Kind entscheide, werde er sie verlassen. Er beschimpft sie als Kindsmörderin.

Reproductive coercion nennen Gewaltforscher_innen dieses Verhalten im englischsprachigen Raum – reproduktiver Zwang. Kontrolle im Zusammenhang von Sexualität und möglicher Schwangerschaft ist eine von unterschiedlichen Erscheinungsformen von Gewalt, die junge Frauen erleben. Oftmals schützt auch eine Schwangerschaft nicht vor weiterer Gewalt. Junge Frauen unter 20 Jahren haben ein bis zu 4-fach erhöhtes Risiko von Gewalterleben während der Schwangerschaft.

1 von 3 jungen Frauen erleidet emotionale, körperliche oder sexualisierte Gewalt im Rahmen einer Verabredung („Date“). In heterosexuellen Paarbeziehungen erleben weibliche Jugendliche körperliche Gewalt mehr als doppelt so häufig wie männliche Jugendliche.
Kontrolle durch Freund oder Freundin, extreme Eifersucht und/ oder verbale Demütigungen sind weit verbreitet. Dies gilt sowohl analog wie auch digital – auch Cybergewalt ist hier weit verbreitet.

Gewalt macht krank. Gewalt in jugendlichen Peergruppen, Datingkontakten und Paarbeziehungen Heranwachsender ist vielfältig und birgt erhebliche Gesundheitsrisiken: Depressionen, Ängste, erhöhter Konsum von Zigaretten, Alkohol und härteren Drogen, riskantes (Sexual-)Verhalten sind belegt.

In den USA machen große Öffentlichkeitskampagnen das Ausmaß des Problems und Erfolg versprechende Programme weit bekannt. Seit 2011 ist der Februar „TeenDatingAwareness-Month“ – der Monat der Aufmerksamkeit für die Gewalt in jungen Beziehungen. Love is Respect ist dabei ein Motto der Präventionsprogramme. Junge Menschen an Schulen, Universitäten und im Freizeitbereich und ältere als Eltern, Lehrer_innen, Trainer_innen, Ärzt_innen werden ermutigt und befähigt, respekt- und liebevolle Beziehungen zu lernen und weiterzuvermitteln. That´s not cool, ein weiteres Motto, nimmt die Gewalt direkt in den Blick. Beide Perspektiven hat das Kompetenzzentrum Frauen & Gesundheit NRW seit 2017 in seinem Arbeitsbereich zur gesundheitlichen Versorgung Heranwachsender fokussiert. So aktuell im Januar 2019 auf der interdisziplinären Fachveranstaltung Jung, verliebt und (un)glücklich am 16. Januar in Bochum. „Dieser interdisziplinäre Informationsaustausch bestätigt die Notwendigkeit, eine breite Öffentlichkeit für das Thema Gewalt in jugendlichen Beziehungen zu sensibilisieren“, so Marion Steffens vom Kompetenzzentrum Frauen und Gesundheit NRW, „denn in der Jugend ausprobierte Beziehungsmuster reichen bis weit in das Erwachsenenleben“. Ein Anfang ist gemacht. Es bleibt noch viel zu tun – nicht nur im Februar.

Kompetenzzentrum Frauen & Gesundheit NRW
Gesundheitscampus-Süd 9

44801 Bochum
www.frauenundgesundheit-nrw.de

Die Pressemitteilung können Sie hier auch noch einmal als PDF herunterladen

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