Geburtshilfliche Versorgung

Die Säuglings- und Müttersterblichkeit sind in den letzten Jahrzehnten deutlich gesunken, was auch auf eine verbesserte Vorsorge und Versorgung in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett zurückgeführt werden kann. Diese insgesamt positive Entwicklung geht mit einer Orientierung einher, möglichst viele Risiken frühzeitig zu erkennen. Damit verbunden sind eine Vielzahl von Kontroll- und Vorsorgeuntersuchungen, die häufig Folgeuntersuchungen nach sich ziehen („Interventionskaskade“). Der Nutzen dieser Untersuchungen ist dabei nicht immer nachgewiesen und die Ausweitung der Kontrollen bringt vielfach keinen weiteren Gewinn für die Gesundheit von Mutter und Kind.

Eine frauengerechte geburtshilfliche Versorgung zielt deshalb darauf ab, Schwangere und Gebärende als aktive Partnerin im Entscheidungs- und Versorgungsprozess ernst zu nehmen und sie bei einer informierten Entscheidung (z.B. in Bezug auf einzelne Vorsorgeuntersuchungen, aber auch in Bezug auf die Wahl von Geburtsort und -modus) zu unterstützen. Besonders deutlich wird diese Notwendigkeit beim Thema Kaiserschnitt. Die Kaiserschnittraten sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen, und NRW weist im Vergleich der Bundesländer hohe Raten auf. Mehr als jedes dritte Kind kommt per Kaiserschnitt auf die Welt, häufigster Grund ist eine vorherige Schnittentbindung. Bei 90% der Kaiserschnitte gibt es einen Handlungsspielraum, der nicht zuletzt aus haftungsrechtlichen Gründen immer häufiger zugunsten einer Schnittentbindung ausgelegt wird.

Die derzeitige geburtshilfliche Versorgung ist durch gegenläufige Beobachtungen gekennzeichnet: Einerseits ist eine Überversorgung bei risikoarmen Schwangerschaften zu beobachten, andererseits zeigt sich, dass nicht alle Frauen gleichermaßen von dem guten Versorgungsangebot profitieren. Frauen mit erhöhtem Risiko und Betreuungsbedarf werden nur unzureichend erreicht und gelten als unterversorgt. Beispielsweise finden minderjährige Schwangere, Schwangere mit Migrationshintergrund, sozial benachteiligte Schwangere, psychisch kranke Schwangere und von Gewalt Betroffene erst spät den Zugang zu Versorgungsangeboten und werden oft aufgrund mangelnder Sensibilität für diese Problemlagen nur unzureichend versorgt. Daraus ergibt sich Handlungsbedarf an mehreren Punkten: bestehende Versorgungskonzepte sind daraufhin zu überprüfen, inwieweit sie die genannten Gruppen ansprechen, und sind dann ggf. zielgruppengerecht weiterzuentwickeln; Professionelle sind für die genannten Problemlagen zu sensibilisieren und beim Erwerb interkultureller Kompetenz zu unterstützen und schließlich gilt es, die Vernetzung des Gesundheitssystems mit anderen Hilfe- und Unterstützungssystemen z.B. der Kinder- und Jugendhilfe voranzutreiben.

Das Landeszentrum für Gesundheit NRW hat einen GBE-Spezialbericht „Schwangerschaft und Geburt in Nordrhein-Westfalen – Gesundheitliche Lage und Versorgung von Frauen in Nordrhein-Westfalen während der Schwangerschaft und rund um die Geburt“ herausgegeben, der auf Nordrhein-Westfalen bezogene aktuelle Daten zur Gesundheit und Versorgungssituation von Schwangeren vorlegt und Handlungsempfehlungen für eine verbesserte geburtshilfliche Versorgung formuliert. Das Kompetenzzentrum Frauen und Gesundheit NRW versteht sich als Transferstelle zwischen Theorie und Praxis. Es verbreitet die Ergebnisse in der (Fach-) Öffentlichkeit und nutzt sie, um im Dialog mit den relevanten Akteuren der Geburtshilfe konkrete Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen.

 

Informationen und Materialen

Kartenset der BZgA informiert über Angebote zur Schwangerschaftsberatung

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat als neues Informationsmaterial ein Kartenset entwickelt, das über das Angebot der Schwangerschaftsberatungsstellen informiert. Zur Pressemitteilung gelangen Sie hier.

Informationen für Schwangere und werdende Väter

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bietet ein unabhängiges und von kommerziellen Interessen freies Online-Angebot rund um die Themen der Familienplanung. Es steht unter www.familienplanung.de zur Verfügung und bietet fundierte Informationen, Antworten auf häufig gestellte Fragen, Erfahrungs­berichte, ExpertInnen­interviews und einen E-Mail-Newsletter für werdende Eltern.

Bundesstiftung Mutter und Kind

Info-Faltblatt des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) mit den wichtigsten Informationen über die Bundesstiftung und die Hilfen für Schwangere und Mütter in Notlagen hier.

Das Infoblatt ist in verschiedenen Sprachen unter http://www.bundesstiftung-mutter-und-kind.de erhältlich.

Zeitbild MEDICAL „Schwangerschaft in schwierigen Lebenslagen. Hilfen der Bundesstiftung Mutter und Kind.“

Das neue Zeitbild MEDICAL „Schwangerschaft in schwierigen Lebenslagen“ informiert mit kostenlosen Patientinnenmagazinen und Materialien für das Praxisteam über bestehende Hilfsangebote und dient als konkrete Arbeitshilfe für die Beratung schwangerer Frauen in Notlagen.

Weitere Informationen und Bestellung der Materialen hier.

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