Psychische Gesundheit

Die hohe Prävalenz psychischer Erkrankungen zeigt die Bedeutung geschlechtssensibler Versorgungsstrukturen und vernetzter Versorgungsangebote. In Deutschland ist etwa ein Zehntel der Bevölkerung von psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen betroffen. Frauen und Männer erkranken dabei an unterschiedlichen Psychischen Störungen. So werden in der Gruppe der Frauen besonders häufig Demenzen, Essstörungen sowie Depressionen oder Angststörungen diagnostiziert.

Nach einer Erhebung des Robert Koch-Instituts aus dem Jahr 2010 berichten rund 9% der Frauen aus Nordrhein-Westfalen ärztlich bzw. psychotherapeutisch diagnostizierte Depressionen oder depressive Verstimmungen. Bezogen auf die Bevölkerung in NRW wären das mehr als 750.000 betroffene Frauen. Weiterhin zeigen sich Unterschiede nicht nur zwischen den Geschlechtern, sondern auch innerhalb der Gruppe der Frauen, z.B. bei Alleinerziehenden, Frauen mit Migrationshintergrund oder Frauen im höheren Lebensalter.

Die Ursachen für die besondere Vulnerabilität (Verletzlichkeit) von Frauen hinsichtlich bestimmter psychischer Störungsbilder sind vielfältig. Neben lebensgeschichtlich erworbenen Dispositionen können genetische (biologische) Anfälligkeiten einen Einfluss auf die Entstehung haben. Hierzu zählen beispielsweise Besonderheiten bei Bildungs- und Berufsbiographien sowie gesellschaftliche Rollenzuschreibungen. Insbesondere Frauen mit Kindern sind oft mit widersprüchlichen und unvereinbaren Rollenanforderungen, wie beispielsweise Haushalt, Erziehung und Berufstätigkeit, befasst.

Darüber hinaus führt die Vielfalt an Trägern und Zuständigkeiten im deutschen Gesundheitssystem zu langen Wartezeiten beim Übergang von der stationären in die ambulante Versorgung. Lange Wartezeiten auf einen Therapieplatz in der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung stehen einer vernetzen, gendersensiblen Versorgung entgegen. Insbesondere diese Versorgungslücken bedeuten vielfach ein deutlich erhöhtes Risiko für die Verschlechterung und Chronifizierung bestehender psychischer Störungen. Lange Wartezeiten auf einen Therapieplatz in der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung stehen einer vernetzen, gendersensiblen Versorgung entgegen.

Die Mitarbeiterinnen des Kompetenzzentrums werden daher Versorgungslücken systematisch erfassen und Ideen für eine bedarfsorientierte und frauenzentrierte Versorgung entwickeln. Im Zentrum stehen die Anforderungen für eine Reduzierung der psychotherapeutischen Unterversorgung in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens. Der Blick richtet sich dabei auf die präventiven Potentiale. Ebenso ist die Sensibilisierung der Akteure im Gesundheitswesen für die Auswirkungen von geschlechterbezogenen Rollenanforderungen und -zuschreibungen auf die Gesundheit und gesundheitliche Versorgung eine Kernaufgabe des Kompetenzzentrums. Ziel der Mitarbeiterinnen ist es, die Ergebnisse des Praxis-Theorie-Dialogs, z.B. aus dem Netzwerk Frauen und Gesundheit NRW, in ihre konzeptionelle Arbeit einfließen zu lassen.

Informationen

Faktenblatt Postpartale Depression

Zu den Faktenblättern

Gruppenangebot „Heimat in mir“

Das Familienplanungszentrum-Berlin BALANCE e.V. bietet ein neues Gruppenangebot für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte an. Ziel der 6-teiligen Treffen ist es, einen geschützten Raum für einen wohltuenden Austausch zwischen Teilnehmenden mit Migrationserfahrung zu schaffen. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte hier.

FIDEO – Fighting Depression Online

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und die BARMER GEK haben ein neues Online-Angebot für Jugendliche mit Depressionen entwickelt: „FIDEO – Fighting Depression Online“. FIDEO möchte … mehr

Neues Forschungsprojekt – KULTINFO

Ein aktuelles Forschungsprojekt des Universitätsklinikum Freiburg in Kooperation mit der Stiftung Deutsche Depressionshilfe – KULTINFO – untersucht, ob die bloße Übersetzung medizinischer Begriffe Krankheiten in einem anderen kulturellen Kontext hinreichend beschreiben kann.
Zur Pressemitteilung PDF

Ratgeber zu Depression und Arbeitsplatz in deutscher Fassung online

Die European Depression Association hat einen Leitfaden für betroffene Arbeitnehmer/innen und für Arbeitgeber/innen herausgegeben, der Anregungen für den Umgang mit depressiv erkrankten Menschen beinhaltet und Präventionsmöglichkeiten benennt. Die deutsche Fassung ist nun hier (PDF) online abrufbar.

 

Comments are closed.