Frauen in Fluchtsituationen

In den letzten Jahren sind die Flüchtlingszahlen laut einer Schätzung der Vereinten Nationen kontinuierlich gestiegen: Sind im Jahr 2013 51,2 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht gewesen, waren es im Jahr 2015 bereits über 60 Millionen. Dieser Anstieg beruht vor allem auf den 2011 ausgebrochenen Krieg in Syrien, aber auch extreme Wetterereignisse zwingen immer mehr Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen. 2016 erreichte die Anzahl der Asylanträge beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) mit 745.545 Erst- und Folgeanträge auf Asyl einen Höchststand. Die meisten Asylanträge wurden in Nordrhein-Westfalen gestellt, mehr als ein Drittel hierbei von Frauen.

Aufgrund der teils gravierenden Probleme bei der gesundheitlichen Versorgung geflüchteter Frauen hat das Kompetenzzentrum Frauen und Gesundheit NRW die gesundheitliche und soziale Versorgung von Frauen mit Zuwanderungsgeschichte und Fluchthintergrund als Tätigkeitsbereich aufgenommen.

Die gesundheitliche Situation von geflüchteten Frauen wird dabei insbesondere innerhalb der drei Themenschwerpunkte Intervention bei Gewalt, Psychische Gesundheit und Geburtshilfliche Versorgung des KFG betrachtet: Frauen in Fluchtsituationen erleben vielfach Gewalt vor und während der Flucht; und auch angekommen im Aufnahmeland sind sie keineswegs vor Gewalt (durch Partner*innen, andere Geflüchtete, aber auch Betreuer*innen) geschützt. Zu den psychischen Langzeitfolgen von Gewalt gehören neben der posttraumatischen Belastungsstörung u.a. Depressionen, Angstzustände und Panikattacken. Im Bereich Geburtshilfe unterliegen vor allem von sexueller Gewalt betroffene geflüchtete Frauen einem hohen Risiko der Re-Traumatisierung durch Schwangerschaft und Geburt.

Aufgrund der Relevanz der gesundheitlichen Versorgung von Frauen mit Zuwanderungsgeschichte und Fluchthintergrund hat das Kompetenzzentrum Frauen und Gesundheit NRW das Netzwerk „Frauengesundheit NRW im Kontext von Zuwanderungsgeschichte“ gegründet. Zum Netzwerk

Auch im Netzwerk Frauengesundheit und Gewalt wird die Versorgung gewaltbetroffener Frauen in Fluchtsituationen prominent thematisiert.

Eine Zusammenstellung von Materialien, Links und Informationen zur beraterischen und therapeutischen Unterstützung für geflüchtete Frauen und LSBT* in NRW finden Sie hier:

Applications - APPs

RefuShe – APP for female refugees – die App für geflüchtete Frauen in NRW

Free Download in Google Play Store – für Android-Handys ab sofort kostenlos im Google Playstore herunterzuladen: RefuSHE

 

Die App bietet spezifische Informationen für geflüchtete Frauen über ihre grundlegenden Rechte wie Gewaltfreiheit und Gleichberechtigung sowie über Hilfemöglichkeiten und Notfallnummern.

 

Die App wurde unter Beteiligung von Frauen- und Migrantinnenhilfeorganisationen erstellt und einem Akzeptanztest mit der Zielgruppe unterzogen. Sie enthält leicht verständliche Texte und Videos und ist in den Sprachen Deutsch, Englisch, Arabisch, Kurdisch und Paschtu verfügbar.

 

Hier finden Sie die entsprechenden Links zur Presseerklärung zur App sowie 2 Plakate zur Bekanntmachung der App in Englisch/Deutsch und Arabisch/Deutsch als PDF.


Materialien

Arbeiter-Samariter-Bund, in Kooperation mit LSVD (Lesben- und Schwulenverband Deutschland und dem Paritätischen, Gesamtverband

Handreichung für die Betreuung und Unterstützung von LSBTTI*-Flüchtlingen in NRW 2016, als PDF

 

 

Arbeitshilfe des Paritätischen (Gesamtverband)

Empfehlungen an ein Gewaltschutzkonzept zum Schutz von Frauen und Kindern vor geschlechtsspezifischer Gewalt in Gemeinschaftsunterkünften, 2015, als PDF

 

 

Dachverband der Autonomen Frauenberatungsstellen NRW

Schutz vor Gewalt für geflüchtete Frauen Handreichung – Handreichung für Fachkräfte der Frauenunterstützungseinrichtungen und Flüchtlingshilfe in NRW, 2015, als PDF

 

 

Dachverband der Autonomen Frauenberatungsstellen NRW

Dokumentation Fachtag Wege aus der Gewalt – Möglichkeiten der Unterstützung von geflüchteten Frauen und Mädchen am 20. Oktober 2015 in der Alten Lohnhalle, Bochum-Wattenscheid, als PDF

 

 

Forum Menschenrechte

Positionspapier zum Umgang mit besonders schutzbedürftigen Flüchtlingen, 2015, als PDF

 

 

Integrationsagentur im Rubicon (2015)

Broschüre für queere geflüchtete Menschen, als PDF

 

 

Policy Paper 32 des Deutschen Institutes für Menschenrechte

Effektiver Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt – auch in Flüchtlingsunterkünften Autorin: Heike Rabe, 2015, als PDF

 

 

Studie: “All Day Waiting” – Konflikte in Unterkünften für Geflüchtete in NRW

Die vorliegende Studie von bicc, dem Bonn International Center for Conversion, argumentiert, dass ein Großteil von Konflikten in Unterbringungen für Geflüchtete auf strukturelle Ursachen zurückzuführen ist. Hierzu zählen die Funktionsweise des Asylregimes, die Wechselwirkung der physischen Struktur und sozialer Beziehungen im Raum von Unterkünften sowie die bestimmte Form des Unterbringungssystems für Geflüchtete, das als sogenannte totale Institution verstanden werden kann. Andere Konfliktursachen sind wiederum auf der persönlichen Ebene verankert.

Auf der Grundlage einer qualitativen Befragung, die in 33 Unterkünften auf Landes- und Kommunalebene in NRW mit Beteiligung von über 200 Personen durchgeführt wurde, werden hier fünf Typen von Konflikten analysiert: Konflikte auf der individuellen Ebene, Gruppenkonflikte, aggressives Verhalten und Kriminalität, häusliche und sexuelle Gewalt, sowie Konflikte mit Mitarbeitern und zwischen Institutionen. Hier zur Studie.

 

 

Terre des Femmes – Menschenrechte für die Frau e.V. veröffentlicht Forderungskatalog

Januar 2017: Terre des Femmes – Menschenrechte für die Frau e.V. veröffentlicht Forderungskatalog zu „Flucht, Frauenrechte und Integration“, mehr

 

 

(Wieder-)Einstieg in den Beruf – Begleitheft

Migra-Info (BildungsForum Lernwelten/ Landesinitiative Netzwerk W) hat als Hilfsmittel für Frauen, insbesondere für geflüchtete Frauen, das Begleitheft „Einstieg in den Beruf“ entwickelt. Das Begleitheft gibt u.a. geflüchteten Menschen die Möglichkeit, ihre Aktivitäten und Kontakte zur beruflichen und gesellschaftlichen Integration einfach, verständlich und kompetent zu dokumentieren. Zum Begleitheft hier

 

 


Frauen sowie LSBT* in akuten Fluchtsituationen – wichtige Links

A place to be together – lgbt* refugees welcome

Die together-Treffpunkte für junge LGBT* in Mühlhein, Essen, Gelsenkirchen und Krefeld heißen junge LGBT*-Menschen in Fluchtsituation herzlich willkommen. Together Mühlheim hat auch eine eigene LGBT*-Refugee-Gruppe, Nähere Informationen/more informations: www.together-virtuell.de oder facebook:/together-virtuell

 

 

Agisra e.V.

Menschenrechte für Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen

 

 

andersundgleich

www.andersundgleich-nrw.de

 

 

Arbeiter-Samartier-Bund

www.asbnrw.de

 

 

Arbeitskreis Asyl des Evang. Kirchenkreis Bochum

Frauen auf der Flucht – Informationen, Unterstützung

 

 

be here now

Eine hilfreiche Seite für UnterstützerInnen: „Für wen ist diese Seite nun gedacht? Vor allem für Sie, die Sie sich darum kümmern, Menschen, die auf der Flucht sind, hier ein Ankommen zu erleichtern. Wir möchten Ihnen Informationen zur Verfügung zu stellen, die Ihnen helfen gut für sich zu sorgen.“

 

 

DaMigra

Der Dachverband der Migrantinnengruppen zum Thema „Frauen und Flucht“

 

 

Dachverband der autonomen Frauenberatungsstellen NRW e.V.

www.frauenberatungsstellen-nrw.de

 

 

Flüchtlingsrat NRW eV (2016)

www.frnrw.de bietet die Übersicht über aktuelle Nachrichten aus der Flüchtlingspolitik mit Arbeitshilfen für die Praxisberatung. Im Netzheft sind die Adressen behördenunabhängiger Beratungsstellen und Initiativen für Flüchtlinge in NRW zusammengestellt, hier als PDF

 

 

Hebammenhilfe für Flüchtlinge

Webseite der Hebammen Landesverbände zum Thema geflüchtete Frauen/Schwangere Frauen

 

 

International Women Spaces (IWS), Deutschland

Ein Berliner Projekt für und vor allem von geflüchteten Frauen: iwspace.wordpress.com. Die Gruppe hat ein Buch herausgegeben: In our own words/ In unseren eigenen Worten: geflüchtete Frauen erzählen ihre Geschichte.

 

 

LesMigraS

Unterstützung durch die Lesbenberatung Berlin

 

 

medica mondiale

Medica unterstützt Frauen und Mädchen in Kriegs- und Krisengebieten und führt auch Fortbildungen zu Frauen in Flüchtlingssituation in Deutschland durch. www.medicamondiale.org

 

 

Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum

mfh-bochum.de

 

 

Mädchenhaus Bielefeld e.V.

Das Mädchenhaus Bielefeld hält die Zufluchtsstätte Poto Amal für geflüchtete Mädchen/junge Frauen unter 18 Jahren vor. www.maedchenhaus-flucht.de

 

 

LSVD

www.queer-refugees.de

 

 

Refugio München

Beratungs- und Behandlungszentrum für Flüchtlinge und Folteropfer. www.refugio-muenchen.de

 

 

rubicon.

Neue Informationsmaterialien zur Situation von Geflüchteten mit lesbischer, schwuler, bi-, trans* oder intersexueller Identität im rubicon erhältlich. www.rubicon-koeln.de

 

 

Terre des Femmes

Menschenrechte für die Frau e.V. hält Beratungs- und Unterstützungsangebote für geflüchtete Frauen und UnterstützerInnen vor. Neu ist ein Projekt, das geflüchtete Frauen in Kontakt bringt mit (geschulten) ehrenamtlichen Patinnen für: CONNECT – Empowerment für geflüchtete Frauen. www.frauenrechte.de

 

 

Uno Flüchtlingshilfe

Frauen auf der Flucht. www.uno-fluechtlingshilfe.de

 

 

Women in Exile and Friends

Flüchtlingsfrauen werden laut. www.women-in-exile.net

 

 

zanzu

das neue Webportal der BZgA bietet Informationen zur sexuellen/reproduktiven Gesundheit in 13 Sprachen – in Bild und Wort. www.zanzu.de

 


Therapeutische und beraterische Unterstützung für geflüchtete Frauen in NRW

 

Das aktuelle Förderprogramm des Landes NRW für von Gewalt betroffene traumatisierte Flüchtlingsfrauen sieht akutpsychotherapeutische Maßnahmen durch Trauma-Ambulanzen als einen wesentlichen Baustein vor.

 

Die Akuthilfen werden von OEG-Trauma-Ambulanzen durchgeführt und umfassen 10 Sitzungen, nach Bedarf auch mit Sprachmittlung.

 

Zielgruppe sind die Frauen in den Landesaufnahmeeinrichtungen. Das Therapieangebot besteht aber auch für Frauen in der Übergangs- und Integrationsphase nach erfolgter Zuweisung in die Kommune, wenn die Behandlung innerhalb des ersten Jahres nach der Einreise nach Deutschland begonnen wird.

 

Es handelt sich um eine Krisenhilfe mit Erprobungscharakter, für die in den Kommunen kein vergleichbares Angebot im Rahmen von Regelleistungen zur Verfügung steht. Das Angebot kann von Gewalt betroffenen traumatisierten geflüchteten Frauen unbürokratisch und kostenfrei genutzt werden.

 

Hier findet sich eine Liste der Trauma-Ambulanzen im Bereich des LWL (Bereiche Bielefeld, Bochum, Dortmund, Gelsenkirchen, Münster und Soest)

 

Und hier die Liste der Trauma-Ambulanzen im Bereich des LVR (Bereiche Aachen, Bonn, Köln, Düsseldorf, Duisburg, Essen)

 

Das Hilfetelefon bietet telefonische Unterstützung in 15 Sprachen an – auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ehrenamtliche Helferinnen und Helfer in Erstaufnahmeeinrichtungen können sich melden, wenn ihnen in ihrer täglichen Arbeit Fälle von Gewalt gegen Frauen begegnen. Näheres hier.

 


Projekte

Modellprojekt „POINT● – Potentiale integrieren“

Das Modellprojekt „POINT● – Potentiale integrieren“ unterstützt in Berlin allein geflüchtete Frauen bei der Integration in Ausbildung und Arbeitsmarkt. Im Januar 2017 ist das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderte Projekt „POINT● – Potentiale integrieren“ gestartet, das geflüchtete Frauen in Berlin bei der Aufnahme einer existenzsichernden Beschäftigung oder Ausbildung unterstützt.

 

Ziel des Projekts ist es, allein geflüchtete Frauen mit einer guten Bleibeperspektive auf ihrem Weg in einen Beruf zu unterstützen. Die Teilnehmerinnen erhalten professionelle und auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmte Hilfestellungen durch Jobcoaches. Die Coaches helfen nicht nur bei der Qualifizierung, sie vermitteln den Frauen auch Förderangebote verschiedener Institutionen. Durch Vernetzung sollen Synergieeffekte geschaffen und der Aufbau von Doppelstrukturen vermieden werden. Zudem werden den Frauen zur besseren Bewältigung der unterschiedlichen Herausforderungen ehrenamtliche Alltagsbegleiterinnen, sogenannte POINT sisters, zur Seite gestellt. Weitere Formate wie Workshops und Fachveranstaltungen runden das Angebot ab.

 

Das hierdurch entstehende Begleitsystem soll modellhaft erprobt werden. Die Laufzeit des Projekts beträgt zunächst zwei Jahre.

 

Das Modellprojekt ist Teil der Bundesinitiative „Schutz von Frauen und Kindern in Flüchtlingsunterkünften“.

 

Weitere Informationen: www.bmfsfj.de und www.goldnetz-berlin.de

 

Zitiert nach der Pressemitteilung des Bundesfamilienministeriums vom 23.03.2017.

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