Frauen und Mädchen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen

Um Veränderungsprozesse für eine inklusive Gesundheitsversorgung anzustoßen und den Abbau der vielfältigen Zugangsbarrieren zur Gesundheitsversorgung und der Schnittstellenprobleme zwischen verschiedenen Versorgungsbereichen zu unterstützen, wurden Frauen und Mädchen mit Behinderungen als neue Zielgruppe des Kompetenzzentrums aufgenommen. Wichtig ist hierbei die Vielfalt der Lebenssituationen von Frauen, die in Einrichtungen leben oder die Gewalterfahrungen erlitten haben. Ziel ist weniger die Besetzung neuer Forschungsfelder oder die Entwicklung von Maßnahmen sondern die Unterstützung der bestehenden Strukturen und Praktiker*innen und die Entwicklung zielgruppenspezifischer, praxisnaher Handlungsempfehlungen und Arbeitshilfen für Versorgungspersonal und Gesundheitspolitik.

Im Themengebiet Psychische Gesundheit werden die Hürden für eine bedarfsorientierte psychologische Versorgung von Frauen mit verschiedenen Behinderungen in den Blick genommen. Für Frauen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen wurde ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen, u.a. als Folge von Traumatisierungen festgestellt (vgl. Schröttle/Hornberg et al. 2013). Außerdem sind sie durch vielfältige Abhängigkeiten in verschiedenen Altersphasen und Lebenssituationen besonders von psychischer, physischer und sexueller Gewalt, Diskriminierung sowie Gewalterfahrungen betroffen. Die geburtshilfliche Versorgung bei Frauen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen ist ein relativ unbekanntes Feld. Versorgungsbedarf besteht hier z.B. beim niedrigschwelligen Zugang zu Aufklärung und Verhütungsmitteln. In der ambulanten gynäkologischen Versorgung bestehen zudem zahlreiche bauliche und kommunikative Barrieren. Hinzu kommen fehlende zeitliche Ressourcen und unzureichende Qualifikationen des medizinischen Personals. Auch mangelnde Sensibilisierung und geringe Erfahrung im Umgang mit behinderten Patientinnen stehen einem vorurteilsfreien Umgang im Wege. In enger Kooperation mit dem Netzwerkbüro Frauen und Mädchen mit Behinderung/chronischer Erkrankung NRW arbeitet das Kompetenzzentrum Bedarfe und Handlungsmöglichkeiten, die die Situation gewaltbetroffener Frauen in Einrichtungen der Behindertenhilfe betreffen, heraus. Expert*innengespräche und Fachveranstaltungen sollen eine breite Fachöffentlichkeit sensibilisieren und motivieren sich in ihren Einrichtungen und Institutionen für eine verbesserte Versorgung gewaltbetroffener Frauen mit Behinderung einzusetzen. Hierzu gehört auch die Unterstützung für eine flächendeckende Implementierung von Frauenbeauftragten in Werkstätten und Wohneinrichtungen der Behindertenhilfe, die im neuen Teilhabegesetz verbindlich vorgeschrieben ist.

Informationen

22.Landesgesundheitskonferenz NRW

„Von der Integration zur Inklusion: Gesundheitliche Versorgung von Menschen mit Behinderungen verbessern“

Projekte

Die Bundesregierung hat in den vergangenen Jahren verschiedene Forschungsvorhaben initiiert, die eine solide Datenbasis für politische Entscheidungen zur Verbesserung der Situation und gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit Behinderung(en) in der Gesellschaft liefern und der Schließung bestehender Datenlücken dienen sollen.

Positionspapier „Frauen mit Behinderung und chronischer Erkrankung“ des Arbeitskreises Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe e.V.

Der Arbeitskreis „Frauen mit Behinderung und chronischer Erkrankung“ der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe e.V. hat ein Positionspapier für ein frauengerechtes Gesundheitssystem verfasst. Das Papier enthält Anforderungen an das Gesundheitssystem und Handlungsansätze zur stärkeren Berück… mehr

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